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Es hat begonnen ...

Es hat begonnen ...

Vergeben und vergessen?

Zur Mädchenrüstzeit, wenn viele Mädchen eine Woche aufeinander hocken, kann man eigentlich darauf warten, wann es den ersten Streit zwischen den Mädchen gibt. So dauerte es auch dieses Jahr nicht lang und zwei Mädchen stampften wutentbrannt durch den Speisesaal. Die eine zu der anderen: „Und mit dir rede ich NIE wieder!“ Meine Mitarbeiterin drehte sich zu mir um und meinte mit einer gespielt dramatisch tiefen Stimme: „Es hat begonnen!“

Glücklicherweise hat das Mädchen diese Drohung nicht in die Tat umgesetzt. Noch am selben Tag waren die beiden wieder die besten Freundinnen und der Streit war vergeben und vergessen. Und das Faszinierende daran ist: Es ist wirklich VERGEBEN und VERGESSEN. Die Mädchen können sich ein paar Tage später oftmals gar nicht mehr daran erinnern, worum es in dem Streit überhaupt ging. Das ist ja auch nicht mehr wichtig!

Dabei kommt mir oft der Bibelvers in Epheser 4, 26 in den Sinn: Zürnt ihr, so sündigt nicht; lasst die Sonne nicht über eurem Zorn untergehen und gebt nicht Raum dem Teufel.
Die Sonne nicht über dem Zorn untergehen zu lassen, klingt so einfach, aber das ist es meist nicht. Wie oft sage ich zu jemandem nach einem Streit: „Ist doch kein Problem.“ „Ist schon gut!“ „Das ist vergeben und vergessen!“ Aber bei der nächsten Auseinandersetzung bringe ich es wieder ins Spiel, werfe es dem anderen wieder vor, mache es wieder zum Streitpunkt … von wegen vergeben und vergessen! Wohl doch eher: Aufgeschoben ist nicht aufgehoben!
Doch wirkliche Vergebung meint, dass man das, was passiert ist, nicht nur für den Moment vergibt, sondern auch für die Zukunft vergisst. Als wäre es nie geschehen! Ich darf es nicht in eine Schublade packen und bei nächster Gelegenheit wieder rausholen. Das ist nicht Sinn und Zweck von Vergebung. Unser Gegenüber verlässt sich darauf, dass wir das Vergeben ernst nehmen und es ihm oder ihr nicht noch ewig nachtragen. (Denn jemandem etwas nachTRAGEN, meint auch eine Last für uns!)

Aber wie kann das gelingen? Nur ein paar Verse nach dem oben genannten Vers steht: "Seid aber untereinander freundlich und herzlich und vergebt einer dem anderen, wie auch Gott euch vergeben hat in Christus.“ (Eph. 4,32) Wir nehmen uns ein Beispiel an dem, der die Vergebung perfektioniert hat: Jesus Christus. Wir können den Spieß mal umdrehen und uns vorstellen wie es wäre, wenn Gott uns alles nachträgt, was wir jemals falsch gemacht haben … keine schöne Vorstellung, oder? Wenn wir ständig Angst haben müssen, dass er uns die Lieblosigkeit, den Zorn oder die Lüge von vor 15 Jahren plötzlich wieder auf den Tisch knallt: „Kannst du dich noch daran erinnern? Das war ziemlich scheiße von dir damals!“ „Aber ich hab mich doch entschuldigt…!“ „Schnickschnack! Ich vergesse niemals eine Sünde!“

Gott ist anders. Wenn wir unsere Fehler zu ihm bringen, sie vor ihm bekennen und sie versuchen wieder in Ordnung zu bringen, dann wird er sie vergeben und vergessen – als wären sie nie passiert! Er rechnet sie uns nicht mehr an. Und dafür ist Jesus ans Kreuz gegangen. Er hat dafür gesorgt, dass echte Vergebung zwischen uns und Gott möglich ist. Also sollten wir auch versuchen Vergebung zwischen uns und unseren Mitmenschen hinzubekommen. Denn, wie meine Mitarbeiterin zur Mädchenrüstzeit so scharfsinnig feststellte:
Das Gegenteil von „Es hat begonnen…“ ist „Es ist vollbracht.“ (Joh.19,30)

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Autor(en)

Elena

Elena

Jugendmitarbeiterin

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